Eden - Drachenlords Grafikeckchen

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Ich hatte mal wieder Lust zwei Hobbys zu verbinden und habe angefangen eine kleine Story mit passenden Bildern zu machen.

Wer Lust hat eine kleine Geschichte zu lesen und einige passende Bilder dazu zu sehen ist hier also herzlich eingeladen mir ein wenig zu folgen.

Eden

Groß, gelb und staubig lag der alte Schulbus wie ein verendetes Tier im Wüstensand, untermalt vom gelegentlichen, weinerlich klingenden Quietschen eines alten Windrads auf dem Dach des Busses.

Ein Tier an dem der Rost nagte wie die Würmer an einem Kadaver und das wimmernd sein Schicksal in der Hitze ertrug.

Die Fenster fehlten, die Reifen waren samt Felgen verschwunden und irgendjemand hatte eine Art Terrasse aus Holz mit einem Baldachin aus einer Werbeplane vor den Bus gebaut, auf der ein altes Sofa stand.

Sicher nicht was sich Steve erhofft hatte, aber doch ein Hoffnungsschimmer.

Vielleicht gab es ein Fortbewegungsmittel mit dem er zur Basis kommen konnte.

Er lauschte, doch mehr als sein eigenes Japsen im Helm und das gelegentliche Quietschen des Windrads war nicht zu hören.

Doch es musste jemand hier sein, der Schuss musste von hier gekommen sein, denn mehr als dieses alte Wrack gab es im Umkreis von einigen Meilen nicht das zumindest die Anwesenheit eines Menschen erhoffen ließ.

Fast hätte das Knurren seines Magens den Schuss in der Ferne übertönt, doch er war da und Steve war ihm hierher gefolgt.

Gierig sog er an dem kleinen Schlauchende vor ihm im Helm um seinen Durst zu stillen und den trockenen Mund anzufeuchten und ertappte sich wieder einmal dabei, wir er versuchte etwas zu schmecken.

Doch es schmeckte nicht nach altem Schweiß, nicht nach seinem eigenen Urin.

Es schmeckte einfach nur nach Wasser, nach etwas abgestandenem, zu warmen Wasser und wie immer musste Steve schnell die Gedanken von sich schieben, das er hier seine eigenen, aufbereiteten Körperausdünstungen trank.

„Hallo!“, brüllte er und erschrak über seine eigene Stimme, die durch den Helm so verzerrt klang.

„Hallo! Ist hier jemand!“, setze er erneut an und schleppte sich mit letzter Kraft zu dem alten Bus.

Schon wollte er einen Schritt auf die leicht erhobene Terrasse machen und du der großen Schiebetür gehen, die anstelle einer normalen Bustür in den Wagen eingebaut war, als das ratschende Geräusch einer Flinte die durchgeladen wurde ihn in der Bewegung erstarren ließ.

Mit weit aufgerissenen Augen starrte Steve in den Lauf einer scheinbar riesigen Schrotflinte, die ihm ein vernarbtes Etwas mit Cowboyhut und verspiegelter Sonnenbrille direkt vor das Plexiglasvisier seines Helms hielt und sich aus dem schattigen Inneren des Busses ans Licht bewegte.

„Was zur Hölle bist du denn für Einer?“, knurrte das Narbengesicht ihn an und spuckte einen kleinen Schwall staubigen Speichels in den Sand vor seinen Füßen.



Unfähig zu antworten glotzte Steve seinen Gegenüber an.

Das ärmellose, durchschwitze und dreckige Ding das einst sicher einmal ein Hemd gewesen war, bedeckten die Arme des Cowboys nicht mehr und zeigte ihm, die großflächigen Narben überzogen nicht nur Gesicht und Hals.

Offenbar war die komplette obere Epidermis regelrecht zerfressen worden und nur schlecht wieder verheilt.

Im Studium hatte er so etwas einmal bei überlebenden Brandopfern gesehen, aber dies hier konnte auch von den Treibern stammen.

„Was ist mit dir? Kannst du mich unter dem Ding da nicht hören?“, knurrte der Narbencowboy ihn an.

„D... doch, natürlich“, stotterte Steve“ Verzeihung, aber... aber es.. ist nur so, das sie der erste... Mensch sind, den ich seit zwei Tagen zu Gesicht bekomme“.

Der Narbige sah ihn über Kimme und Korn der Flinte regungslos an.

„Bist du allein, oder rennen hier noch mehr Astronauten durch die Gegend?“

Astronaut?

Steve brauchte einen Moment um dieses Wort zu verarbeiten.

Natürlich, in seinem Schutzanzug musste er tatsächlich ein wenig wie ein Astronaut wirken, der eine fremde Welt erforschen wollte.

„Muss man dir jedes Wort einzeln aus der Nase ziehen? Ob du allein hier bist.“

„Ja, allein. Seit zwei Tagen allein... Sir“, stammelte Steve.

Einen Moment blieb der Cowboy reglos stehen, die Flinte weiter im Anschlag, ehe er laut auflachte und die Flinte senkte.

„Sir? Dir kann man mit einer Flinte wohl tatsächlich noch benehmen beibringen.

Nun entspann dich mal, sonst machst du dir noch in den schicken Anzug.“

Es wirkte befremdlich als das narbige Gesicht sich zu einer Art Lachen verzog.

„Komm ran und setzt dich zu mir“, knurrte der Narbige und ging zu dem Sofa, das im Schatten seiner seltsamen Veranda stand.

Er lehnte das Gewehr an die Wagenwand, ließ sich schwer in die staubigen Polster der Couch fallen und deute auch ein klappriges Gebilde aus Metallrohr, das wohl einen selbstgebauten Stuhl darstellen sollte.

„Nun setzt dich schon. Nach zwei Tagen in dieser Gegend musst du halb verdurstet sein. Willst du was trinken oder was zu essen?“

Es war wirklich mehr als bizarr.

Hier, mitten in der Wüste, saß dieser seltsame Cowboy unter einem Werbebanner einer Zigarettenfirma das ihm als Baldachin diente auf einem alten Polstermöbel und lud in ein sich dazu zu setzen.

Steve fühlte sich fast ein wenig wie in einem Traum als er sich auf das wacklige Gestänge des Stuhlersatzes niederließ so gut er es mit dem großen Rucksack an seinem Anzug denn konnte.

Beim hinsetzen stieß er gegen das alte Ölfass, das hier als Couchtisch diente und auf dem ein ausgedientes, schon halb verblichenes Stoppschild als Tischplatte montiert war.

Geschah dies hier wirklich oder hatte die Wüstenhitze sein Gehirn doch noch weich gekocht?

Oder schlimmer, hatte der Anzug vielleicht einen Riss und er hatte bereits Phase 2 der Seuche erreicht und sein Hirn begann auszusetzen?

„Also, willst du was trinken oder was zu futtern? Ich habe etwas Fleisch da. Es wird sich eh nicht mehr lange halten denke ich“, drängte sich der Cowboy in Steves Gedanken.

Essen... wir gern würde er etwas essen, selbst halb vergammeltes Fleisch klang fast köstlich in seinen Ohren.

„Äh... nein, vielen Dank. Ich kann in dem Anzug nichts zu mir nehmen“, hörte er sich sagen und wie auf Kommando knurrte sein Magen protestierend dazwischen.

„Dann solltest du das Teil ausziehen. Irgendwann wirst du sonst in dem Ding verhungern und verdursten. In dem Teil wirst du sicher nicht lange frisch bleiben. Wie hast du denn in dem Teil zwei Tage hier draußen überlebt?“

Er griff neben das Sofa und zog einen kleinen Plastikkanister hervor, öffnete ihn und nahm einen tiefen Schluck Wasser.

Wo hatte dieser Kerl hier draußen Wasser her?

„Sir, ich weiß nicht ob es ihnen klar ist was geschehen ist, aber wenn ich diesen Anzug ausziehe werde ich wahrscheinlich sterben – und auch sie sind vermutlich bereits Krank. Einige Meilen von hier gibt es eine unterirdische Militärbasis. Dort könnte man uns helfen, wenn sie vielleicht irgendein Fortbewegungsmittel für uns hätten?“

Einen Augenblick sah der Cowboy ihn nachdenklich an, dann lacht er wieder, wobei das Lachen in einen trockenen Husten überging und er das schleimige Sputum mit Schwung in den Sand beförderte.

„Zum ersten solltest du mich nicht mehr Sir nennen. Ich denke ich bin einiges jünger als du. Nenn mich John, John Taylor ist mein Name. Zum zweiten – Fortbewegungsmittel? Wenn ich eins hätte, wäre ich nicht mehr hier. Und zum dritten, ich bin kein Hinterwäldler der hier draußen die Welt verpennt. Ich weiß von der Seuche und um genau zu sein – ich hatte sie und ich lebe noch durch die Gnade des Herren“.

Steve starrte seinen Gegenüber an. Es gab Gerüchte von einigen wenigen die auf natürlichem Weg immun gegen die Seuche wurden. Genau gesagt hatten ihn diese Gerüchte die Sicherheit und wenigen Annehmlichkeiten der Basis gekostet und an diesen Ort geführt.

„Sie... sie hatten die Seuche? Alle drei Phasen?“

Ohne zu antworten hob John seine Arme und zeigte zwei tiefe, hässliche und schorfige Wunden in seinen Achselhöhlen.

„Meinst du ich hab mir das hier beim rasieren geholt?“, fragte er ironisch.

„Diese verdammten Beulen haben mich fast wahnsinnig gemacht vor Schmerzen, bis sie endlich aufplatzten und ich es hinter mir hatte. Der Herr gab mir die Kraft dies zu überstehen und mein Glaube an ihn natürlich.“

Steve klappte der Unterkiefer herunter. Er hatte noch nie jemanden gesehen der die Beulenphase überlebt hatte. Zudem schien dieser Cowboy zwar ein wenig seltsam zu sein, aber sein Verstand schien zumindest noch zu arbeiten – wenn man einmal von dem Gerede über die Gnade des Herren absah.

Um solche Überlebenden zu untersuchen, die in einer anderen Basis aufgetaucht waren, sollte er und sein Team mit einem der wenigen noch funktionierenden Helikopter hingeflogen werden.

Doch dann tauchte eins dieser Dinger auf und schossen sie ab.

Rauch, Schreie, Feuer – dann ein Ruck als er aus dem aufschlagenden Hubschrauber geschleudert wurde. An viel mehr konnte sich Steve nicht erinnern.

Als er ein Stück entfernt von dem rauchenden Wrack wieder aufwachte, war er allein.

Alle waren tot und wie durch ein Wunder hatte er nicht nur überlebt, nein, sein Anzug hatte das alles sogar ohne schaden zu nehmen überstanden.

Es war fast, als ob nur er allein einen der Überlebenden sehen sollte und nun saß er hier, vielleicht vor der Lösung des Seuchenproblems.



„Das... darf ich mir das einmal etwas näher ansehen, Sir?“

John nahm die Arme wieder herunter.

„Also erstens lass ich mich nicht wie ein Bulle auf einer Auktion von jedem betatschen und zweitens sollst du mich nicht Sir nennen. Ich heiße John.

Sir hättest du vielleicht zu meinem Dad sagen können, wenn ich nicht vor zwei Wochen seine Überreste da drüben begraben hätte“.

Er zeigte auf eine Stelle hinter dem Bus, an der ein kleiner Erdhügel und ein einfaches, offenbar selbst gebasteltes Grabkreuz aus zwei Stöcken an ein Grab gemahnen ließen.

„Hast du auch einen Namen, oder soll ich dich nur Anzugträger nennen?“

Steve riss sich vom Anblick das nahen Grabes los und antwortete: „Oh, natürlich. Verzeihung, mein Name ist Dr. Steve Federson.“

„Doktor? Du bist Arzt?“

„Ich habe zwar auch einige Semester Medizin studiert, aber promoviert habe ich in Biologie. Mein Fachgebiet sind Viren.“

„Viren?“, fragte John lauernd und blickte rasch auf seine Flinte, die noch immer neben ihm am Bus lehnte. „Habt ihr Typen was mit diesem ganzen Mist hier zu tun?“

„N... Nein Sir. Ganz im Gegenteil. Wir versuchen der Lage Herr zu werden. Diese Seuche ist von den Besuchern erschaffen worden. Wir suchen nach einem Gegenmittel und Menschen wie sie, Sir, können uns dabei Helfen ein Heilmittel zu finden.“

John lachte auf.

„Die Besucher? Du meinst diese Höllenbrut? Das sind alles andere als Besucher. Besuch geht irgendwann wieder, diese Teufel aber wollen nur das WIR gehen und zwar für immer. Und wenn du mich jetzt noch einmal Sir nennst, dann zerre ich dich persönlich aus deinem Anzug und filetiere dich an Ort und Stelle“ dabei tätschelte er das große Messer, das er seitlich am Gürtel trug.

„Na... Natürlich Si... Mr. Taylor. Ich..“, stotterte Steve zur Entschuldigung und rutschte vor Schreck fast von seinem Stuhl.

„Beruhig dich wieder, Doc. Ich mein es nicht so. Ich hab genug Mist erlebt, da mach ich sicher nicht solche Dummheiten. Bin halt etwas reizbar geworden durch den ganzen Dreck, der in der letzten Zeit passiert ist.“

„Ja, natürlich. Die ganze Welt ist wohl etwas... reizbar geworden“, versuchte der Doktor John zu beruhigen.

„Aber wenn sie wirklich die Seuche überstanden haben, dann bitte ich sie dringend mich zur Basis zu begleiten. Aus ihrem Blut können wir sicher Antikörper gewinnen mit denen...“

„Doc, bleib ganz ruhig. Ich gehe nirgendwo hin. Abgesehen von Mum wie auch? Unser Truck hat letztlich doch den Geist aufgegeben, er steht fünf Meilen von hier am Straßenrand und sagt keinen Mucks mehr. Und wenn du diese Militärbasis hinter Sandfall meinst, die ist mindestens 50 Meilen von hier entfernt und dazwischen gibt es nur Sand, Steine und einige Schlagen. Wir werden kaum genug Wasser für einen Marsch von zwei oder drei Tagen durch den Backofen hier mitschleppen können. Aber wenn du von da kommst und in dem Ding da nix trinken kannst, wie hast du in der Hitze da draußen zwei Tage überlebt?“

Steve stockte der Atem. 50 Meilen? Dann war er nach dem Absturz in die falsche Richtung marschiert. Verdammt!

„Mein Anzug ist selbstversorgend. Passive Atemfilter und ein Aufbereitungssystem für Flüssigkeiten, damit man auch nach Stunden noch ohne Pause in dem Anzug arbeiten kann.“

„Was für ein System?“

„Es ist Technik die alle Flüssigkeiten die ich durch ausatmen, schwitzen oder durch meinen eigenen Urin wieder auffängt und sie recycelt, so das ich letztlich wieder Wasser zum trinken habe.“

„Pfui Spinne! Du säufst deine eigne Pisse in dem Ding?“ Doc, das ist echt eklig. Möchte nicht wissen wie bitter du dadurch wirst.“

Das narbige Gesicht verzog sich zu einer angewiderten Grimasse.

„Nein, es ist wirklich nur Wasser was zurückgeführt wird. Aber stimmt schon. Wenn man darüber nachdenkt ist es schon etwas... gewöhnungsbedürftig. Aber hier draußen ist Wasser denke ich eh ein Problem. Wo bekommen sie ihr Wasser her, wenn sie kein Transportmittel haben?“

„Interessant...“, murmelte der Cowboy fast unverständlich.

Dann, als ob er aus endloser Ferne wieder zu sich zurück kam, zeigte John nach oben zu dem quietschenden Windrad.

„Das Ding da hat mein Dad mit mir und meiner Schwester hier eingebaut als wir noch klein waren. Unter diesen Felsen da gibt es kleine Hohlräume, in denen sich Nachts genug Wasser aus der Luft sammelt und das Windrad hängt an einer einfachen Pumpe, die es nach oben befördert.“

„Dann leben sie immer hier draußen?“, fragte Steve und sah etwas ungläubig auf die seltsame Behausung aus einem schrottreifen Schulbus.

John quittierte diesen Blick mit einem Lachen.

„Nee, Doc. Ich sag doch, ich bin kein weltfremder Hinterwäldler. Diese alte Rostlaube steht hier schon seit 30 Jahren rum. Damals war hier mal so was wie ein Happening, bei dem einige Verrückte eine riesen Party in der Wüste geschmissen haben. Mein Dad und meine Mum haben sich da kennen gelernt. Mein Dad hieß Adam und Mum Eve, so haben die Beiden das hier Eden getauft.“

Er machte eine ausladende Geste, die den alten Schulbus und die Gegend umfasste und lachte trocken.

„Die beiden hatten schon immer irgendwie einen schrägen Humor.

Seit dem fuhren sie jedes Jahr für einige Tage hier raus und haben uns Kinder später mitgeschleppt. Die alte Blechlaube hier hatte wohl damals den Geist aufgegeben und mein Dad und meine Mum kamen sich da wohl etwas näher - recht nah wenn ich meinen Geburtstag zurückrechne“, lachte John und spuckte wieder in den Sand. So langsam gewöhnte sich Steve an den seltsamen Anblick wenn sich das vernarbte Gesicht seines gegenüber zu einem Lachen verzog.

„Ich verstehe. Und als die Invasion losging, flohen sie hier raus um sich zu verstecken?“

„Nicht gleich. Als diese Teufel auftauchten bekamen wir das nur am Rand in den Nachrichten mit. Also so lange, bis es keine Nachrichten mehr gab.“

Steve hörte gebannt zu. Er selbst hatte schon vorher als freier Mitarbeiter für die


Armee gearbeitet, in der Base 46, dem Virenforschungscenter hinter Sandfalls.

Tief unter der Erde und weit weg von den größeren Städten war der Ort Ideal um Forschungen für den Fall einer terroristischen biologischen Attacke zu betreiben.

Man war dort sicher, aber auch abgeschirmt und so erfuhr auch er nur vom Nachrichtendienst von den seltsamen Lichterscheinungen am Himmel und von der ersten Attacke mit den kleinen Sonden, die auf der ganzen Welt elektromagnetische Impulse aussandten und damit alle elektrischen Geräte der Welt und damit auch jede Form von Kommunikation zerstörten.

Base 46 lag tief genug unter der Erde um als eine der wenigen Einrichtungen diesen Angriff unbeschadet zu überstehen, aber danach änderte sich alles.

„Das letzte was wir noch hörten war, das es irgendwelche seltsamen Erscheinungen am Himmel gab und das man nicht wusste ob dies ein seltsames Naturschauspiel oder eine neue Waffe von Terroristen war. Aber das glaube ich nicht. Ich glaube eher, dass es direkt aus der Hölle kommt. Eine Prüfung von Gott wenn du so willst. Ich weiß es, ich hab sie gesehen und sie haben mich mit ihrem Feuer verbrannt.“

„Dann haben die Treiber ihnen das angetan?“, fragte Steve und deutete auf Johns Narben.

„Treiber? Es waren verdammte Teufelsmaschinen!“

„Wo haben sie sie zusammengetrieben?“

„In Stoneriver. Weißt du, mein Dad wollte auf Nummer Sicher gehen als der Strom weg war und schickte mich nach Stoneriver um Vorräte und Munition zu besorgen. Unser alter Truck war eins der wenigen Fahrzeuge die noch fuhren, also machte ich mich zusammen mit meiner Schwester auf den Weg. In der Stadt war vielleicht was los. Einige wollten rein, andere raus und ich war froh das Sally und ich unsere Flinten dabei hatten. Die Leute waren wie von Sinnen und einige wollten uns sogar aus dem alten Truck zerren, weil ihre schicken neuen Karren den Geist aufgegeben hatten.“

Steve nickte. Nur Geräte die den Impulse nicht ausgesetzt waren und ganz alte, nicht elektronisch gesteuerte Fahrzeuge waren davon unbeeinflusst.

„Na und als wir fast den Drugstore erreicht hatten, da kamen diese Dinger. Wir hörten zuerst das Surren dieser Biester, dann roch es überall nach verbranntem Metall und ehe wir uns versahen waren sie überall. Sie trieben uns zusammen und jeder der in eine andere Richtung weglief als es diese Höllenmaschinen wollten, wurde von diesen Blitzen die sie verschleuderten regelrecht gebraten.“



Steve hatte nur davon gehört wie der hochenergetischen Mikrowellenimpuls wirkte, den diese Treiber aussenden konnten.

Damit konnten sie einem Menschen die oberste Hautschicht regelrecht weg brennen.

Schmerzhaft, unangenehm, aber eben nicht tödlich, solange man dem Strahl nicht zu lange ausgesetzt war.

Die Ideale Waffe um Menschen in eine bestimmte Richtung zu treiben und sie lebend zu fangen.


„Ich weiß wovon ich spreche. Eins dieser Dinger hat sich ausgiebig mit mir beschäftigt als ich fliehen wollte. Als ich einfach weiter rannte, grillte mich das Teil so lange bis mir schwarz vor Augen wurde. Es war ein Gefühl wie wenn Satan selbst dich in seine stinkende Faust nahm und dir die Luft aus den Lungen quetschte, während er dir gleichzeitig die Haut vom Leib riss.

Als ich wieder zu mir kam, war ich zusammen mit etwa einhundert anderen, denen es zum Teil nicht besser als mir ergangen war, in einem Hinterhof eingepfercht – bewacht von diesen Dingern. Dieses Ding was mich gejagt hatte, nahm mich nachdem ich zusammengebrochen war einfach mit kleinen Greifern und schleifte mich zu den anderen. Als sei ich nicht mehr als ein Stück Müll, das du auf den Haufen werfen willst“

Wieder spuckte John verächtlich in den Sand.

Es war deutlich zu merken wie sehr er versuchte cool zu wirken, aber die Erinnerung an das Erlebte ließ die kratzige Stimme unsicher wirken.

Die Furchtbaren Narben auf Johns Körper zeugten davon, dass er sich wohl nicht beim ersten Kontakt in eine bestimmte Richtung treiben ließ, wie es die meisten wohl getan hatten.

„Tagelang ließen sie uns da hocken, ohne Essen, ohne Wasser. Ab und an kam eins dieser Teufelsdinger mit ihren Stahlkrallen und griffen wahllos einen aus der Menge um sie weg zu schleifen. Die Meisten sahen wir nie wieder, erst nach vier Tagen kamen zwei zurück. Die zitterten wie Espenlaub, erzählten von kalten, großen Räumen, hellen Lichtern und das man sie mit Nadel gestochen hatte. Die armen Schweine waren völlig fertig, suchten ständig die Nähe von uns anderen und frag mich nicht warum, aber am nächsten Tag verschwanden diese Teufelsmaschienen genauso schnell wie sie aufgetaucht waren und ließen uns einfach gehen.

Ich hoffte meine Schwester war inzwischen nach Hause gekommen und ich wollte auch nur noch zu meiner Familie. Mein alter Truck stand noch immer mitten auf der Straße, also fuhr ich heim, aber da waren nur noch Mum und Dad.“

Steve spürte trotz der Wüstenhitze einen kalten Schauer über seinen Rücken wandern.

Er selbst hatte nur von den Anfängen gehört, vom Zusammentreiben, den Lagern, den Versuchen an Gefangenen und von den ersten die Zurückkamen und in der ersten Phase der Seuche die Nähe anderer Menschen suchten.

So verteilte sich der Virus am Anfang schnell und da die Menschen so immer größere Gruppen bildeten, war Phase zwei der Krankheit ein wahrer Albtraum.

Menschen die einander nah sein wollten wurden nach einer Woche reizbar, angriffslustig und griffen sich schließlich in völliger Verwirrung gegenseitig an.

Letztlich gingen sich alle gegenseitig an die Kehle, jeder gegen jeden, und die wenigen, die diesen Wahnsinn überlebten, überstanden nur um in der dritten Phase von innen heraus von ihrem eigenen Immunsystem zerfressen zu werden.

Von diesem Wahnsinn zu hören und einzelne Patienten zu sehen, die daran erkrankten war schon schlimm genug, aber dieser zernarbte Mann hier hatte es erlebt – und vor allem hatte er es überlebt, was ihn vielleicht zu einem Hoffnungsschimmer für die verbleibenden Menschen machte.


„Mr Taylor, das muss furchtbar gewesen sein. Ich habe von diesen Lagern gehört, von den Experimenten die mit den Gefangenen gemacht wurden und es tut mir sehr leid für alle, die dies durchgemacht haben, aber ich muss dringend nach Sandfall und sie sollten mich begleiten. Sie erzählten von ihrem Truck. Was ist mit diesem? Können wir den vielleicht wieder Fahrtüchtig machen?“

John blickte hinter seiner verspiegelten Sonnenbrille auf und spuckte in wieder einmal in den Sand.

„Doc, wenn ich die alte Karre noch einen Pieps sagen könnte, dann würde ich nicht in dieser Einöde hocken, sondern wäre auf dem Weg nach L.A. zu meinem Onkel. Mum und Dad sagten, wir sollten besser zu ihm fahren, denn hier draußen war die Hölle los. Überall diese Teufelsdinger, nichts funktionierte mehr und unsere Felder hatten diese Teufel in brand gesetzt.

Als dann auch noch die Nachbarn verrückt wurden und jeder jeden angriff wollten wir nur noch weg.

Dann gab unsere Karre den Geist auf – Kolbenfresser. Aber wir waren nur fünf Meilen von Eden entfernt, so hat mein Dad die alte Rostschüssel hier getauft.

Und wenn ich von hier fortgehe, dann sicher nicht nach Sandfalls sondern weiter an die Westküste. Vielleicht ist meine Schwester ja auch schon da und dort ist es bestimmt sicherer als hier und die Regierung kümmert sich um die Leute sicher eher als um uns Dörfler hier draußen in der Wildnis.“

„Dort gibt es nicht mehr viel, worum man sich kümmern kann“, entfuhr es dem Doktor ohne nachzudenken.

„Wie meinst du das, Doc?“

„Dort... dort lebt nicht mehr viel. Nachdem die Besucher den Strom und alle Kommunikation sabotiert hatten, kam es zu gewaltigen Explosionen vor den Küsten. Dadurch wurden gewaltige Flutwellen ausgelöst, die die gesamte Küste zerstört haben und wir vermuten, das geschah nicht nur vor Kalifornien, sondern wohl überall auf der Welt. Auf diese Weise haben die Besucher einen Großteil der Menschen auf einen Schlag vernichtet. Es gibt Schätzungen von etwa drei Milliarden Toten, vielleicht auch mehr. Wir wissen es nicht genau.“



Johns vernarbtes Gesicht verzog sich noch mehr zu einer Fratze als er dies hörte.

Für einen Augenblick schien er selbst das Atmen zu vergessen und nur der Wüstenwind und das quietschende Windrad waren noch zu hören.

„Doc, was um Gottes Willen erzählst du denn da?“ keuchte er. „Selbst diese Höllenbrut kann doch nicht auf einen Schlag drei Milliarden Menschen auslöschen und ganze Städte weg pusten. Nicht einmal Satan selbst wäre zu so etwas fähig!“

Steve fühlte die Verzweiflung seines gegenüber.

„Satan vielleicht nicht, aber die Außerirdischen haben es getan.“

„Außerirdische?“ Japste John. „Du willst mir sagen das sind kleine, grüne Männchen vom Mars die uns all das antun?“

„Wie sie aussehen wissen wir noch immer nicht wirklich, aber sie kommen mit Sicherheit von sehr viel weiter her als vom Mars.“

„Habt ihr von denen eine fliegende Untertasse abgeschossen, oder warum denkst an Außerirdische?“

„Sie dürfen sich das nicht wie in einem dieser Hollywoodfilme vorstellen, Mr. Taylor. Diese Wesen sind uns technisch weit voraus. Sie erschaffen eine Art Wurmloch und brauchen so keine gewaltigen Raumschiffe um zu uns zu kommen. Mit solchen Schiffen würde so eine Reise auch viel zu lange dauern, während sie durch ein Wurmloch in Sekunden bei uns sein können. So brauchen sie nur relativ kleine Aufklärerschiffe, Sonden oder eben die Treiberdrohnen.“

„Doc, entweder ist dir unter deinem Helm inzwischen zu heiß oder du bist krank. Diese Dämonen mögen vielleicht aus Löchern kriechen die direkt in die Hölle führen, aber Würmer haben damit denke ich eher nichts zu tun.“

„Man nennt es nur Wurmloch und diese sind nicht im Boden. Wurmlöcher sind eine Art Tunnel von einem Ort zu einem anderen, quer durch das Weltall, nur das die Zeit die man in diesem Tunnel ist um vorwärts zu kommen so gering ist, das man sie kaum erwähnen brauch. Es ist schwer vorzustellen, ich weiß. Unsere besten Astrophysiker haben sich lange nur in der Theorie mit diesem Thema befassen können, aber die Besucher beherrschen diese Technik bereits. So konnten sie praktisch wie aus dem Nichts zuschlagen und uns so überraschen.“

„Doc, was erzählst du da denn? Du willst mir sagen irgendwelchen Marsmännchen die nicht mal vom Mars kommen graben Tunnel durchs All und wenn sie hier rauskommen grillen sie uns aus lauter Langeweile ein wenig, quälen uns, drehen uns den Strom ab, ersäufen die halbe Weltbevölkerung und hexen uns Krankheiten an den Hals? Einfach so weil sie gerade einen miesen Tag haben? Du solltest schnellstens mal aus diesem Anzug raus, ich glaube du brauchst frische Luft und echtes Wasser, diese recycelte Pisse die du da trinkst scheint dir nicht gut zu tun.“

Steve senkte den Blick. Er selbst verstand davon nicht so viel wie er gern wollte und doch war es eben so.

Er hatte selbst die Bilder der letzten funktionierenden Aufklärungsdrohnen der Armee gesehen.

Das Phänomen des Wurmlochs, das sich direkt über so vielen Orte der Welt gebildet hatte und das Verderben auf die Menschheit losließ.

Aus dem Himmel, der sich zu verformen schien kamen zuerst die größeren Aufklärer, dann die kleinen Sonden, die den elektrischen Pulsschlag der Welt fast völlig zum verstummen brachten, die tödlichen Flutwellen und schließlich die Treiberdrohnen, die Menschen wie Vieh zusammen trieben um an ihnen Experimente zu vollziehen, deren krönender Abschluss letztlich die Seuche war, die nun den Menschen an den Rand der Vernichtung führte.

Wenn man es genau betrachtete – dieser einfache Mann mit den Narben hatte vielleicht nicht so unrecht sie als Teufel und Dämonen zu bezeichnen.



„Mr, Taylor, die haben mehr als nur einen miesen Tag. Sie sind mehr als motiviert unseren Planeten zu erobern. Ihre eigene Welt wird es nicht mehr lange geben. Das macht sie zu sehr entschlossenen Gegnern.“

„Woher willst du das wissen, Doc? Ist E.T. aus seinem Ufo gekrabbelt und hat dir das erzählt oder was?“

„Nein, natürlich nicht. Bisher hat soweit ich weiß noch keiner die Besucher selbst gesehen, aber das Militär erbeutete mit ihren letzten Kräften einige dieser Treibermaschinen und nachdem es gelang an ihre Hardware zu kommen, konnten wir einen Teil der Daten auslesen. Seit dem wissen wir zumindest warum dies alles passiert – oder besser gesagt, wir können es uns vorstellen.“

„Ach ja? Ich denke eher du erzählst mir hier einen Haufen Bullshit! Ich erzähl dir jetzt mal was. Als diese Dinger anfingen ihre Blitze zu schleudern und auf meine Schwester losgingen, hab ich so einem Teil mit der Flinte zwei, drei Ladungen verpasst. BAM!“

Wütend klatschte er in die Hände um seine Worte zu untermalen.

„Volles Rohr drauf aus gerade mal drei Meter Entfernung und was ist passiert? Das Mistding hat nur ein wenig in der Luft geschwankt ehe es den Spieß umdrehte und mich wie ein Karnickel durch die Straßen hetzte! Ich wollte noch rüber zu Sally, meiner Schwester, aber das Ding halt mich wie ein verdammtes Steak gegrillt! Und die Armee fängt so ein Teil einfach ein? Erzähl mir nichts. Kein Mensch kann gegen diese Dinger ohne die Gnade des Herren etwas ausrichten! “

Verächtlich spuckte John wieder in den Sand.

„Mr, Taylor… John… ich weiß nicht wie sie es geschafft haben, aber ich hab selbst gesehen wie sie eine der Maschinen zerlegt haben. Diese Dinger bestehen aus einem Metal das sich bei Belastung immer mehr zu verdichten scheint. Darum hatten ihre Schüsse keine Wirkung gezeigt. Es dauerte fast zwei Wochen den Treiber zu zerlegen und um zu verstehen wie diese Technik funktioniert, aber letztlich haben wir zumindest einen Teil der gespeicherten Informationen bekommen. Es war schwierig es zu verstehen, diese Wesen scheinen keine Worte zu benutzen, eher denken sie in Bildern, benutzen halbbiologische Speichermedien und davon konnten wir einige auslesen. Wir sahen Bilder ihrer Welt, die unserer sehr ähnlich ist. Ihre Sonne scheint zu sterben. Wir vermuten, dass ein vagabundierendes schwarzes Loch durch ihr Sonnensystem zieht und bald alles vernichten wird. Sie können dort nicht mehr bleiben wo sie herkommen.“

„Ach? Und mit all ihrer tollen Technik können sie keinen anderen Planeten finden als unseren?“

„Wie gesagt, ihre Welt ist unserer verblüffend ähnlich. Eine gelbe Sonne, Pflanzen die vermutlich Sauerstoff produzieren, Strahlung, Schwerkraft – all das scheint bei ihnen wie auf unserer Erde. Solch Planeten mit genau diesen Voraussetzungen gibt es sicher nicht wie Sand am Meer im Universum. Wir denken, sie haben gezielt nach einer Welt wie unsere gesucht um schnell umsiedeln zu können und nun sind sie hier – und wir sind ihnen im Weg.“

Wütend sprang John auf.

„WIR sind im Weg?!“, brüllte er los.

Steve erschrak vor dem wütenden Mann so, das er endgültig von seinem provisorischen Stuhl rutschte und hart auf die Bretter der Veranda schlug.

Das narbige Gesicht verfärbte sich tiefrot und kleine Speichelfetzen flogen aus seinem Mund als er weiter brüllte:

„Gott hat uns diese Welt geschenkt und niemand außer uns...“

Ein schriller Schrei aus dem Bus unterbrach ihn in seinem Wortschwall.

John wirbelte herum und rannte in die schattige Dunkelheit des Busses, aus der er vorhin so unerwartet aufgetaucht war.

Verwirrt und zu Tode erschrocken rappelte sich Dr. Federson wieder von Boden auf.

War dieser John nicht allein hier draußen?

Einen kurzen Seitenblick auf die Schrottflinte die noch neben dem Sofa an der Wand lehnte – aber nein. Waffen waren nie seine Stärke gewesen und hätte John sie nicht mitgenommen, wenn er eine Gefahr erwartet hätte?

So ließ er die Waffe wo sie war und ging langsam ins innere des alten Schulbusses.

Es dauerte einen Moment ehe sich seine Augen an das schattige Dunkel im inneren gewöhnt hatten.

Im hinteren Teil des Busses hockt John vor einem großen Bündel am Boden, redete mit leiser, kaum verständlicher Stimme darauf ein und streichelte zärtlich darüber.

Das Bündel bewegte sich immer wieder ein wenig und von Zeit zu Zeit war ein leises, helles Wimmern darunter zu vernehmen.

„Was... wer... ist das?“, stotterte Steve als Tröpfchenweise in sein Bewusstsein sickerte, das dieses Bündel offenbar ein Mensch unter einer Decke war.

Ohne auf die Frage zu reagieren streichelte die narbige Hand weiter über die Decke, die kratzige Stimme säuselte vor sich hin und nun konnte Steve auch einzelne Wortfetzen verstehen.

„... mein Hirte... nichts mangeln...weidet mich...“

Betete John dort?

„Mr. Taylor?“

Endlich drehte sich das narbige Gesicht sich wieder zu ihm.

„Mum geht es immer schlechter“, sagte er emotionslos.

„Ich versuche sie auf den Pfad des Herren zurück zu bringen und ich dachte schon, sie findet wie so viele nicht mehr die Gnade in seinen Augen.“

Wie um seine Worte zu untermalen zog er die Decke ein Stück weg und enthüllte das schmerzverzerrte Gesicht einer älteren Frau.

Die eitrigen Beulen hatten das Gesicht entstellt, drückten ihr Linkes Auge schon völlig zu.

Als Biologe der Seucheneinheit kannte Steve diesen Anblick nur zu gut.

Die dritte Phase hatte diese Frau so entstellt und würde bald unter unsagbaren Schmerzen ihr Leben aushauchen.

„Aber der Herr ist gut zu denen, die im Glauben stark sind. Letztlich erweist er ihr die Gnade und nicht nur das, er schenkt uns dazu einen Weg zurück in die Welt.

Doc, du weißt nicht einmal wie gnädig Gott ist und doch hat er dich zu uns geleitet.“

Steve verstand kein einziges Wort mehr.

Offenbar hatte die zweite Phase der Seuche den Verstand des Cowboys doch nicht so unangetastet gelassen, wie es zuerst aussah.

„Komm näher, mein Freund“, winkte das Narbengesicht ihn heran. „Auch wenn ich in deinen Augen längst gesehen habe, das du nicht an die Wunder und Prüfungen des Herren glaubst – komm näher und sieh selbst.“

Plötzlich fühlte er sich unwohl. Es war falsch hier zu sein, irgendwie war alles hier falsch und er wäre nun nur zu gern weiter allein durch die Wüste geirrt.

Aber trotzdem, er wusste selbst nicht warum, machte er zögerlich zwei Schritte auf die Frau am Boden zu.

So nah konnte er ihr Gesicht besser erkennen. Es war gezeichnet von Wahnsinn, von Schmerz – er hatte dies bei so manchen der Seuchenopfer schon früher gesehen und es war nie schön einen Menschen so zu sehen, aber hier fühlte sich etwas unglaublich falsch an und Steve bereute es unsagbar die Schrottflinte draußen an der Buswand gelassen zu haben.

„Hier öffnet man das Ding, nicht wahr?“, hörte er die kratzige stimme Johns im gleichen Moment hinter sich, wie er das Klicken der sich öffnenden Helmversiegelung wahr nahm.

Dr. Federson drehte sich panisch um.

Ohne es zu merken hatten sich die narbigen Hände von hinten an seinen Helm getastet und öffneten ihn.

Schon fühlte er wie faulig riechende, ungefilterte und mit zahllosen Krankheitserregern verseuchte Luft in seinen Helm strömte, vorbei an allen Luftfiltern, die ihn bisher davor beschützt hatten.

Er riss die Hände hoch, versuchte den Verschluss des Helms wieder zu schließen, doch Johns kräftige Hände waren schneller und rissen ihm den Helm vom Kopf.

Steve hörte ein hysterisches, schrilles kreischen wie von einem kleinen Mädchen.

Angst, nein, blankes Entsetzen breitete sich in ihm aus und er schlug hektisch um sich, doch John griff beherzt die Handgelenke seines Gegenüber und drückte sie mit der unerbittlichen Kraft einer Schraubzwinge nach unten.

„Doc, mach es uns beiden nicht so schwer. Gottes Gnade führte dich zu uns. Dich, der du bist voller Unglaube und die Prüfung des Herren nicht sehen kannst und nicht sehen willst“, er sprach völlig ruhig und gelassen, während er Steves Arme festhielt und in langsam in die hinterste Ecke des alten Buswracks schob. All dies schien ihn kaum mehr Anstrengung zu kosten als einem Kind, das seinen Teddybären ins Regal bringen möchte.

Steve drückte mit aller Kraft gegen den Klammergriff des Cowboys an, doch bekam er seine Arme keinen Zentimeter hoch.

Noch immer war das schrille Kreischen zu hören und dann ein hartes Klatschen, das seinen Kopf zur Seite riss.

Endlich realisierte Dr. Federson das er selbst es war, der die ganze Zeit so hysterisch schrie, verstand das Johns narbige Hände ihn für eine Sekunde losgelassen hatten, um ihm eine Ohrfeige zu versetzen und fast war er dankbar dafür.

Sein Verstand begann durch den Schmerz langsam wieder zu arbeiten und endlich konnte er das Kreischen selbst einstellen.

„Doc, nun komm schon“, drang die kratzige Stimme wieder in seinen Kopf vor.

„Sei Dankbar, denn du, mein ungläubiger Freund, wurdest auserwählt. Dein Opfer wir nicht vergessen, wird nicht vergebens sein. Denn durch dich werden die wahren Gläubigen, die Kinder des Herren zu neuer Stärke finden um ihm, dem Allerhöchsten zu dienen!“

„Nein! Bitte! Sir, sie sind noch immer krank! Hören sie?“, wimmerte Steve.

„Sie sind verwirrt. Es ist die Seuche und sie...“

„Doc, ich war niemals so klar wie in diesen Tagen“, unterbrach die kratzige Stimme.

„Er unterzog mich der Prüfung, wie wir alle in diesen Tagen geprüft werden. Ich habe in seinen Augen bestanden, bin es würdig sein Wort zu verbreiten. Du hingegen bist wie mein Dad. Ungläubig!“ Mit dem letzten Wort drehte er Steve blitzschnell um und stieß ihn mit aller Kraft gegen die Heckscheibe des alten Busses.

„Sieh! Da draußen liegen seine Überreste.“

John hielt die beiden Hände des Docs mit seiner rechten zusammen auf dem Rücken, während er Steves Kopf mit der Linken immer stärker gegen die Rückscheibe presste.

Dieser vernarbte Mann war stark wie ein Stier.

„Er zweifelte wie du an der Gnade des Allmächtigen. Als ich krank wurde wollte er mich erschießen. Mich, sein eigenes Fleisch und Blut! Nur Mum hielt zu mir, kämpfte um mich und der Herr selbst führte ihre Hand, als sie Dad in den Kopf schoss!“

Steve sah durch die staubige Heckscheibe des improvisierte Grab im Wüstensand und langsam verstand er.

John mag einer der ersten infizierten gewesen sein, doch als er die Nähe seiner Eltern suchte, steckte er sie an.

Offenbar kam die zweite Phase überraschend schnell und in ihrer zügellosen Wut fiel diese Familie übereinander her.

„Mum war so stark, so tapfer nur um mich zu verteidigen. Dann bekam ich das Fieber, die Beulen und war bereit vor meinen Schöpfer zu treten, doch Mum hörte nicht auf um mich zu kämpfen. Sie bleib bei mir, betete jede Stunde an meiner Seite und gab mir zu essen, auf das ich wieder stark würde. Ja, sie gab mir das Fleisch, von dem ich stamme und es war einfach nur köstlich!“

Dr. Federson hatte einen Moment Probleme diese Worte zu verarbeiten.

Hatte er etwa...?

„Ja, es war wundervoll! Die Nähe zu Mum, die Kraft meines verräterischen Vaters in mir und dies alles im Angesicht des Herren und endlich verstand ich. Wer Glaubt, wird leben, wird ewig leben! Wir bestehen seine Prüfungen, die Ungläubigen werden vom Antlitz der Welt gefegt und nur wer auserwählt wurde darf zumindest sein Fleisch geben, um die wahren Getreuen des Herren in diesen Zeiten zu stärken. Und nun ist Mum krank und Dad ist schon fast alle. Aber ich zweifelte nie, nicht eine Sekunde zweifelte ich an seiner Gnade und siehe da, plötzlich stehst du vor der Tür.“

Steve fühlte sein Herz bis in den Hals schlagen. Dieser Wahnsinnige wollte ihn fressen!

„Ja, Doc. Frohlocke, denn dein ungläubiges Fleisch wird uns stärken, wird Mum stärken und sie wird überleben und mit deinem komischen Anzug haben wir Wasser und können so weiter ziehen. Wir werden andere finden, werden die wahren Gläubigen vereinen und gemeinsam werden wir die Teufel und Dämonen wieder von der Welt vertreiben. Und wenn die Teufel zurück getrieben wurden in die Hölle wird die Welt durch seine Gnade neu entstehen, wird zu einem neuen Garten Eden und der Herr wird bei uns sein immer dar!“

Mit den letzten Worten ließ er endlich Steves Kopf los, griff blitzschnell zum Messer an seinem Gürtel und rammte die große, teilgezackte Klinge des Bowiemessers mit so viel Kraft durch das Genick des Doktors, das sie an der Kehle wieder austrat.

***

Langsam senkte sich die Kühle des Abends über die Wüste und John sah gedankenverloren in das züngelnde Lagerfeuer.

Der Herr war gut zu ihnen und niemals würde er seine Kinder, seine wahren Kinder die stets an ihn glaubten vergessen.

Ja, er hatte verstanden was der Plan des Herren war und er würde ihn befolgen. Sicher würde es Mum bald besser gehen und zusammen konnten sie dann gehen und die Armee Gottes vereinen.

Seine Schwester Sally würde zu ihnen zurück kommen – wenn sie in den Augen des Herren denn würdig war und mit ihr all die anderen, die reinen Glaubens waren und nie zweifelten.

Zusammen würden sie die Dämonen wieder vertreiben, die nur eine Prüfung des Allmächtigen waren und endlich wäre die Welt ein guter, ja ein reiner Ort.

Das schmerzhafte Wimmern aus dem Bus riss ihn aus seinen Gedanken.

Mum war erwacht.

Er griff zum Spieß über dem Feuer und hoffte, das der Doc nicht zu bitter schmeckte, wo er doch so lange nur seine eigen Ausscheidungen getrunken hatte.

„Ja Mum. Ich komme und das Essen ist auch schon fertig!“ rief er rüber zum Bus und machte sich auf den Weg.

Noch einmal blieb er stehen, sah hinauf zu den ersten erwachten Sternen und murmelte ein „Danke für alles, oh Herr“, ehe er mit dem gebratenen Fleisch den alten Schulbus betrat.

„Mum? Das Essen ist fertig.“



Ende
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