Zeitmaschine - Drachenlords Grafikeckchen

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Nachdem mich vor einiger Zeit die Lust packte eine Zeitmaschine wie im gleichnamigen Film von 1960 in Bryce zu bauen, fand ich es schade damit nur ein oder zwei Bilder zu machen. darum erstellte ich eine kleine Bilderserie und schrieb meine eigene Geschichte der Zeitmaschine dazu.
Viel Spaß beim lesen und betrachten der Bilder.

Die Zeitmaschine

Mein alter Oheim war schon immer etwas seltsam. Sicherlich ein Gentleman durch und durch, doch leicht eigensinnig war er wahrlich. So nahm ich seine Einladung zu einem Umtrunk am Jahresende mit gemischten Gefühlen ein. Noch drei Tage war es bis zum neuen Jahr hin und somit etwas früh für eine Feier, doch mein Oheim dudelte keinen Widerspruch meinerseits und so ging ich in diesen letzten Tagen das Jahres 1899 auf die Einladung ein und besuchte ihn in seinem Haus am Stadtrand.

Nach kurzem Geplauder über die Politik, die Familie und das bevorstehende neue Jahrhundert lächelte er mich auf seltsame Art an und fragte, ob ich mich vor der neuen Zeit fürchten würde.

Ich verneinte und beteuerte ihm meine Neugier auf die Zukunft und das ich nur zu gern die kommenden Wunder der Welt sehen würde.

Mein Oheim sah mich fast lauernd an als er fragte: "Würdest du auch gern die Wunder der Vergangenheit mit eigenen Augen sehen?"

Mein Gesicht muss sehr verwirrt ausgesehen haben, denn ehe ich antworten konnte, zog er mich in sein Arbeitszimmer und präsentierte mir voller Stolz ein seltsames Model auf seinem Schreibtisch.

"Dies, mein Junge, ist der Schlüssel zur Vergangenheit und zur Zukunft. natürlich ist es nur ein Model, aber es ist voll Funktionsfähig."

Mit staunenden Augen betrachtete ich das filigran gearbeitete Maschinchen auf dem Tisch und las mit weiten Augen die Überschrift auf einer der Bauzeichnungen, die auf dem Tisch lagen.

The Time Machine....



Noch immer nagte ein Zweifel an meiner Seele. Konnte dies alles Wirklichkeit sein?

„Schau genau hin, mein Junge“, hatte mein Oheim gesagt. „Du wirst nun Zeuge der ersten Zeitreise werden. Bislang hatte ich es nicht gewagt es zu versuchen, doch nun wollen wir zusammen sehen, ob meine Arbeit von Erfolg gekrönt war.“

Natürlich hatte mein alter Ohm seinen Worten Taten folgen lassen und hatte den kleinen Hebel an der Maschine auf seinem Schreibtisch sanft betätigt, worauf hin die Mechanik des kleinen Kunstwerks mit Leben erfüllt wurde.

Kleine Lämpchen leuchteten auf, der bemalte Metallschirm hinter dem Sitz begann sich immer schneller zu drehen, bis die kunstvolle Bemalung darauf nicht mehr zu erkennen war.

Gebannt beobachtet ich das Treiben vor mir auf dem Tisch und obwohl ich keine Sekunde meinen Blick abwandte, verschwand das Maschinchen vor meinen erstaunten Augen einfach im Nichts.

Mein Ohm ist wie gesagt für seinen Eigensinn bekannt und ich glaubte einem Zaubertrick, wie ihn die Illusionisten am Varieté ihrem Publikum zu präsentieren wussten, beigewohnt zu haben.

Doch mein Ohm versicherte bei seinem Seelenheil, das dies kein Trick sei, sondern das er diese winzige Maschine durch die Zeit geschickt hatte.

Um seine Worte zu untermalen lud er mich ein, ihn in den hinteren Teil seines Hauses zu folgen. Dort hatte der ehemalige Besitzer dieses Domizils einst ein kleines Ladengeschäft betrieben und seit mein Ohm das Haus vor vielen Jahren gekauft hatte, wurden meine Schritte doch niemals in diesen Bereich seines Heims gelenkt.

Fast wie ein Heiligtum schützte er diese Ecke vor Besuchern, doch heute nahm er mich dorthin mit und die Wunder, die mir an diesem Tag begegnet waren, wurden durch eine weitere Überraschung bereichert.

Das Ladengeschäft glich mehr einer Mischung aus Bibliothek und Werkstatt einer Uhrmachers oder Lampenbauers.

Einige Regale waren bis unter die Decke mit Büchern gefüllt, in anderen konnte ich verschiedene Werkzeuge neben mir unbekannten Gerätschaften ausmachen.

In einer Nische am Fenster stand gar ein seltsamer Tisch, der ihm offenbar als Werkstätte diente und mitten im Raum, auf einem kunstvoll gewebten Perserteppich, stand das exakte Ebenbild des Maschinchens in voller Größe.

Groß genug, das ein ausgewachsener Mann sich in den eigenartigen Stuhl hätte setzen können...



Neugierig umrundete ich das fremdartige Gebilde vor mir und ließ meine Blicke über den eigenartigen Aufbau hinter dem Sitz gleiten.

Nicht das ich irgendeines der Teile einer Funktion zuordnen konnte, aber dennoch übte es auf mich eine eigenartige Faszination aus.

Dies hier war um so vieles größer als das Maschinchen das ich zuvor auf dem Tisch gesehen hatte, aber es war mit ebensolcher Detailverliebtheit verarbeitet und verziert worden.

Eindeutig eine Maschine, aber zugleich auch ein Kunstwerk hatte mein Ohm hier erschaffen.



ch erkundete das Gebilde weiter und entdeckte vorn, vor dem Sitz diese zylinderförmige Konstruktion, an der mein Oheim den kleinen Hebel am Model betätigt hatte, ehe sie verschwand.

Auch hier war dieser Hebel, dessen Knauf aus einem geschliffenen Kristall gearbeitet war.

Was ich zuvor am Model nur als kleine, farbige Punkte ausmachen konnte entpuppte sich nun als drei Anzeigen in verschiedenen Farbe. Eine für den Monat, eine für den Tag und eine für das Jahr,wie mir bewusst wurde.



War dies tatsächliche ein Vehikel, das sich durch die Zeit bewegen vermochte wie ein Schiff sich auf dem Wasser bewegte?

Wenn dem so war, welche Möglichkeiten boten sich einem Menschen, der die Zeit bereisen konnte wie ein Pilger die staubige Straße unter seinen Füßen?

Meine Neugierde wuchs in jeder Sekunde und ich fragte mich, warum mein Ohm mir all dies offenbarte...

***

Vor dem Abend zu trinken zählte noch nie zu meinen Gepflogenheiten, doch heute nahm ich den von meinem Oheim angebotenen Port nur zu gern an.

Tief in Gedanken starrte ich die Maschine an, als die Stimme meines Ohms wieder in mein Bewusstsein drang.

„Wenn du ablehnst, mein Junge, kann ich es dir nicht verübeln, doch wen sollte ich sonst ins Vertrauen ziehen wenn nicht dich?“.

Ich sah ihn mit offenem Munde an. Seine grauen Augen waren mit einem fast flehenden Blick auf mich gerichtet und es schien mir, als ob sie gleich die eine oder andere Träne vergießen würden.

„Versteh mich doch. Ich habe keine eigenen Stammhalter und habe mein ganzes Leben an dieser Idee gearbeitet. Was du hier siehst ist mein Lebenswerk, mein Vermächtnis. Nur zu gern würde ich selbst sofort hineinsteigen und den Hebel bedienen, doch mein altes Herz ist schwach – schwächer her als du vielleicht glaubst.“

Ich sah ihn an und musst mich selbst wieder an das hohe Alter meines Oheims erinnern. Der Zahn der Zeit nagte an diesem stets gütigen Mann nicht am Äußeren. Niemand der ihn sah hätte ihn auf volle 80 Jahre geschätzt und doch war er so alt.

„Mein Leibarzt sagt, es sei ein Wunder das mein Herz noch immer schlägt. Halte mich nicht für Feige, mein Junge, doch wenn es seinen Dienst versagt wenn ich mein Lebenswerk mit einer Zeitreise krönen will – wer kann sagen was mit der Maschine dann wird? Sie könnte in Vergessenheit geraten oder in die falschen Hände. Ich weiß einfach nicht ob so eine Reise für einen alten Mann wie mich zu anstrengend ist. Du aber bist jung und stark. Die Reise wird dir kaum schaden und du sollst ja auch nicht weit reisen. Einen Tag oder zwei würden genügen um mir zu berichten wie es sich anfühlt.“

Stets war mein Oheim eine gute Seele gewesen und unterstützte mich allzeit auf meinen manchmal nicht sehr geraden Wegen. Wie konnte ich diesem Mann etwas abschlagen?

So willigte ich ein Teil des verrückten Experiments zu werden und für meinen Ohm, der mir wie ein zweiter Vater war, eine Reise durch die Zeit anzutreten.

Voll endloser Dankbarkeit drückte mein Ohm mich an sein krankes Herz und begann mit einem Wortschwall auf mich einzureden.

Zu meiner Schande muss ich gestehen, verstand ich nicht einmal die Hälfte von dem was er mir sagte. Von eventuellen Turbulenzen im Äther der Zeit war die Rede, von winzigen Partikeln und unsichtbaren Wellen die es dort vielleicht gab und das er all dies bedacht hätte und mir eine passende Schutzkleidung mit auf den Weg geben wolle.

Noch ehe mein Verstand alles zusammensetzen konnte nötigte er mich eine seltsame Garnitur anzuziehen. Stiefel wie sie vielleicht ein Soldat tragen würde, einen eigenartigen Mantel, der wie mein Ohm sagte, mit Kupferpartikeln bedampft worden war um meinen Körper vor Wellen und Strahlen zu schützen. Eine Schutzbrille für meine Augen und einen gar eigenartigen Zylinderhut, an dem Ketten und Medaillen angebracht waren. Dies sollte meinen Kopf schützen und vielleicht auftretende Ätherwellen abhalten mein Gehirn zu Pudding zu zerkochen - wie es mein Ohm so bildlich formulierte.

All diese Ausführungen machten mich langsam nervös, doch als Ehrenmann stand ich zu meiner Zusage und kurze Zeit später stand ich – höchst seltsam gekleidet – neben der Zeitmaschine und war bereit für das große Experiment. Die erste bemannte Reise durch die Zeit...



Mit gemischten Gefühlen kletterte ich in die Zeitmaschine, wobei mich der Mantel mehr behinderte als er mir nutzte.
Als ich mich endlich in dem auffällig bequemen Stuhl drapiert hatte, bemächtigte sich nun doch eine gewisse Aufgeregtheit meiner.
Deutlich fühlte ich mein Herz klopfen und als ich zu dem Kristallknauf des Hebels griff konnte ich nicht umhin, das Zittern meiner Hand zu bemerken.
„Nach oben bewegt dich in der Zeit nach vorn, nach unten lässt dich in die Vergangenheit reisen. Je weiter du den Hebel bewegst, umso schneller wird deine reise sein“, hatte mir mein Ohm noch erklärt, ehe er sich in dem großen Ohrensessel gegenüber der Maschine niederließ.
Als ich noch einmal zu ihm hinüber blickte bemerkte ich einige Schweißtropfen auf seiner blassen Stirn.
Hier saß ich nun, die Hand ausgestreckt um das Lebenswerk meines Oheims zu testen.
Natürlich musste er wohl wenigstens ebenso erregt sein, wie ich selbst es war.
Noch einmal atmete ich tief durch, nahm meinen ganzen Mut zusammen und bewegte den Hebel sacht und nur ein winziges Stück nach oben.
Die Maschine erwachte sofort zum Leben. Lichter gingen an, die Datumsanzeigen vor mir leuchteten auf und ein leises Surren verriet mir, das sich wohl auch der bemalte Schirm hinter mir langsam in Rotation versetzte.  



Zwar blieb der Raum um mich herum da, doch schien das Licht, das ihn erfüllte, nun unstet zu flackern.

Der Sesseln, in dem ich eben noch meinen Oheim erblickt hatte, war plötzlich leer, als ob sich mein Ohm in Luft aufgelöst hatte.

Schon wollte ich die Maschine wieder stoppen, doch dann verstand ich.

Das Modelmaschinchen war ja auch so hastig entschwunden, und nun saß ich selbst in der Maschine.

Nicht mein Ohm war verschwunden, ich war es selbst und mein Ohm hatte dann wohl den Raum mit gemäßigtem Schritt verlassen, doch was wohl Minuten gedauert hatte, war hier auf der Straße durch die Zeit kaum ein Wimpernschlag lang.

Mein Verstand schien langsam wieder wie gewohnt zu arbeiten und zu analysieren.

Ich horchte in meinen Körper hinein – war etwas zu spüren von alle dem, wovor mein Ohm mich mit der eigenartigen Garnitur zu schützen versuchte?

Ich fühlte nur die Aufregung in mir, die sich noch immer zu steigern schien.

Doch wie sollte ich beurteilen ob es sie gab, die unsichtbaren Wellen und Strahlen, die winzigen Partikel und all die Dinge, die mir hätten begegnen können auf meinem Weg durch die Zeit?

Wie sollte ich etwas fühlen, das ich nicht kannte und nicht wusste ob es überhaupt da war?

Mein Blick fing sich wieder auf der Anzeige der Maschine und erschrocken musste ich bemerken, das dort bereits der 31 Dezember 1899 abzulesen war.

So brachte ich den Hebel vorsichtig zurück in seine Ausgangsposition um die Maschine anzuhalten und zurückzukehren in den normalen Fluss der Zeit.

So schnell wie die Lämpchen aufgeleuchtet hatten, so schnell wurden sie nun wieder dunkel. Das Surren des rotierenden Schirms kam zum stillstand und völlige Ruhe erfüllte den Raum, in dem ich mich allein mit der Maschine befand.

War tatsächlich ein ganzer Tag vergangen?

***

Umständlich stieg ich aus der Maschine und spürte, das meine Knie nicht die Standkraft hatten, die ich von ihnen gewohnt war.

Ich war im selben Raum, doch wirkte er nun so ganz anders. Das Schneetreiben vor den Fenstern hatte aufgehört und der sonnige Tag schickte seine warmen Strahlen ins innere.

Es hatte offenbar tatsächlich funktioniert!

Mein Ohm würde Jubeln wenn ich ihm dies berichtete und so zögerte ich nicht nach ihm zu sehen und die frohe Kunde zu überbringen.

Lachend rief ich nach ihm, doch keine Antwort drang an mein Ohr.

So stürmte ich zur Tür hinaus, denn gewiss war er in einem anderen Teil des Hauses und hörte mich nicht.

Schwungvoll riss ich die Tür auf und erstarrte in der Bewegung.

Vor mir in der Diele lag mein geliebter Oheim mit verzerrtem Gesicht am Boden und rührte sich nicht.

Erschrocken stürzte ich einen Schritt nach vorn und fiel neben ihm auf die Knie, die Scherben der beiden Postgläser am Boden nicht beachtend, und tastete besorgt nach seiner Hand, die verkrampft seine Brust hielt.

Die Kälte die von seiner Haut ausging fraß sich wie ein erbarmungsloses Tier in meine Seele.

Bar jeder Fassung fühlte ich die Tränen tiefster Trauer in mir aufsteigen.

Wie ungerecht war diese Welt.

So lag er hier, entblößt des Lebens und dies so nah an der Erfüllung seines Lebenstraums, eine Reise durch die Zeit.

Etwas in mir regte sich bei diesem Gedanken.

Natürlich, die Zeitmaschine war die Lösung dieser mehr als misslichen Lage!

Ich konnte zurück reisen und ihm vielleicht noch helfen ehe dies hier Wirklichkeit wurde, dies war mein erster Gedanke.

Doch die beiden zerbrochenen Gläser am Boden zeigten mir das mein Onkel wohl seinem kranken Herz erlegen war, kaum das ich meine Zeitreise angetreten hatte.

Das war zu wenig Gelegenheit ihm zur Hilfe zu eilen und selbst wenn doch, ich war kein Arzt, was also hätte ich tun können?

Nein, es musste eine andere Lösung geben.

Die Medizin war ein Forschungsgebiet und die Forschung bleibt nicht stehen, war es so nicht mehr als wahrscheinlich das in zukünftigen Zeiten ein Mittel erfunden war, das meinem Oheim helfen konnte?

Ohne zu zögern raste ich zur Maschine zurück und sprang hinein, nur um praktisch noch mit dem Schwung dieser Bewegung den Hebel nach oben zu bewegen.

Die Zeitmaschine erwachte erneut zum Leben und ich trieb den Hebel weiter nach vorn.

Das Flackern im Raum um mich wurde immer schneller und schneller und zeigte mir wohl das kommen und gehen der Tage an.

Ich sah wie sich der Raum veränderte, zunächst halb verfiel, dann plötzlich gänzlich leer wurde, nur um einen Augenblick später das Inventar eines Geschäfts für Damenmode zu zeigen.

Offenbar hatte das Haus einen neuen Besitzer gefunden und das Ladengeschäft, das meinem Ohm als Werkstatt diente, wieder seiner Ursprünglichen Nutzung zugeführt.

Ich blickte auf die Jahreszahl auf der Anzeige vor mir. 1925, 1926, 1927 und immer weiter zogen die Jahre vorbei.

Wie weit musste ich reisen um ein Mittel zu finden das meinem Oheim retten würde?

So tief in Gedanken versunken achtete ich kaum noch auf meine Umgebung, bis plötzlich alles strahlend hell wurde.

Ich blickte auf und der Raum war verschwunden und der klare Himmel war über mir zu sehen.

Verwirrte brachte ich die Maschine zum Stillstand und erschrak, als sie leicht zur Seite weg kippte.

Nicht nur der Raum war fort, das ganze Haus war nur noch eine Ruine, in der kaum ein Stein auf dem anderen stehen geblieben war.

Mein Blick suchte die Datumsanzeigen der Maschine und erstaunt bemerkte ich, das ich wohl am 14 Oktober 1944 zum Stillstand gekommen war.

Vorsichtig stieg ich aus und kletterte vorsichtig über Schutt und Geröll die nun anstelle eines festen Zimmerbodens unter meinen Füßen waren und mein Herz schien von der steinernen Hand eines Riesen zusammengepresst zu werden.

Die hübsche Gegend am Stadtrand wo einst mein Ohm gelebt hatte war eine Wüste aus Trümmern und Rauch.

Zwischen den Ruinen der Häuser bewegte sich ein stählender Koloss auf Rädern, die von einer Art platten Kette umspannt waren. In der Ferne hörte man Explosionen, die Luft war erfüllt von Rauch und Staub und dann hörte ich ein furchtbares, brummendes Geräusch direkt über mir.

Erschrocken blickte ich auf und sah am Himmel pfeilschnelle, fliegende Maschinen umher jagen.



Schüsse hallten durch die leeren Straßen der Trümmerwüste, irgendwo brüllten Männer unverständliches.

Schlagartig wurde mir bewusst was sich hier vor meinen Augen abspielte – ich war in einem Krieg gelandet!

Ein Krieg mit Waffen, wie ich sie mir furchtbarer kaum vorstellen konnte und der hier seine albtraumhafte Zerstörungskraft gerade zur Gänze entfaltete.

Auf dem stählernen Koloss war obenauf ein rohrartiges Gebilde angebracht, das offenbar ein Geschütz war und zu meinem Erschrecken drehte sich dieses Rohr nun genau in meine Richtung.

Fort! Nur Fort wollte ich von diesem grausamen Vorhof der Hölle!

Ohne zu zögern hastete ich über das Geröll unter meinen Füßen zurück zur Zeitmaschine, sprang hinein und noch ehe ich wirklich saß, drückte ich den Hebel soweit nach vorn wie es nur ging.

Ich atmete tief durch als die Maschine wieder zum Leben erwachte und mich durch die Zeit hinfort trug. Noch immer hatte sie die gleiche Schräglage, die sie bei ihrer Landung bekommen hatte und so musste ich mich mehr als Umständlich in meinen Stuhl quetschen und halbwegs sicher und bequem sitzen zu können.


All dies hatte wohl im Strom der Zeit zu lang gedauert, denn von einer Sekunde auf die Nächste wurde es um mich herum stockfinster.

Ich versuchte im kargen Licht der Maschine zu erkennen was geschehen war und einen Augenblick schien mein Herz auszusetzen als ich es erkannte.

Ich war umhüllt von einem Berg aus Erde und geborstenen Steinen.

Ein Blick auf die Zeitanzeige zeigte mir das ich inzwischen im Jahr 1954 angelangt war und wahrscheinlich war der Krieg den ich gesehen hatte vorbei und man hatte beim Aufräumen allen Schutt auf das Gelände gekarrt, auf dem einst das Haus meines Ohm gestanden hatte - oder der Krieg tobte weiter und er hatte in seiner höllenartigen Zerstörungskraft die ganze Welt ausgelöscht.

Was auch geschehen war – ich war gefangen.

Was sollte ich nun tun?

Anhalten war unmöglich, denn nur zu gut erinnerte ich mich wie die Maschine, als sie den Fluss der Zeit verlassen hatte, so plötzlich mit ihrer Umwelt reagierte und in Schieflage geriet.

Würde ich die Maschine stoppen, so würden mich die Massen die mich einschlossen einfach zerdrücken.

Den Hebel zurückziehen wagte ich auch nicht, denn auch so würde die Maschine vielleicht zumindest für einen Moment den Zeitfluss verlassen und mich meinem Schicksal preis geben.

Ich hatte keine Wahl als darauf zu hoffen das dieser Ort irgendwann in der Zukunft wieder unter freiem Himmel liegen würde und ich befreit war.

So blieb mir nichts anderes zu tun als die Anzeige vor mir zu beobachten und zu sehen wie die Jahre an mir vorbeiflossen während ich gefangen in meinem düsteren Verlies saß.

Lange schaute ich auf das Flimmern der Anzeigen und hörte nur das leise Summen des rotierenden Schirms hinter mir.

Ich fühlte wie es um mich immer Kälter wurde und ich zog den Mantel enger um die Schultern.

Wie lange würde es dauern? Wie viele Jahre würde ich lebendig begraben sein? Würden es gar Jahrhunderte werden? Oder Jahrtausende? Oder war alles verloren und nie wieder würde ich das Licht der Sonne erblicken dürfen?

***

So in meinen düsteren Gedanken Versunken, das Flimmern der Anzeigen vor Augen und das Summen der Maschine in den Ohren wurde ich schläfrig und ich vermag nicht zu sagen wie lang der Schlummer dauerte, der mich in Morpheus Reich entführte, doch als ich die Augen wieder öffnete war es hell um mich!

Als mein Blick gen Himmel ging erblickte ich wahrhaft gigantische Bauwerke die bis in die Wolken zu reichen schienen.

Die Welt war also noch da und mein kaltes Gefängnis entschwunden.

Schnell zog ich den Hebel zurück und stoppte die Maschine am 12 März 2279, wie mir ein rascher Blick auf die Anzeigen verriet.

Dann ging alles wie in einem Atemzug voran.

Mit einem unangenehmen Ruck setzte die Maschine wieder gerade auf den Boden auf, ein helles Surren war zu hören, ein kurzer Schrei und kaum eine Armeslänge vor mir schoss ein kaum zu beschreibendes Vehikel auf zwei breiten, blau leuchtenden Rädern in einer seltsamen Schräglage an mir vorbei, richtete sich allein wieder auf und blieb schlagartig stehen.

Dann war eine Sekunde alles Still bis ich ein schmerzerfülltes Wimmern vernahm.

Ein Stück neben der Zeitmaschine lag ein seltsam gekleideter Mann verkrümmt am Boden.

Ohne zu zögern sprang ich aus der Maschine und rannte auf ihn zu.

Als ich neben ihm niederkniete sah ich das Blut aus Nase und Ohren lief und mit einem letzten, kräftigen Husten brachte er noch einmal einen Blutschwall hervor, ehe sein Blick brach und er leblos liegen blieb.

Wie es schien war dieser Mann auf dem seltsamen Gefährt mit den blauen Rädern unterwegs gewesen und mein plötzliches Erscheinen musste ihn zu einem Ausweichmanöver gezwungen haben, bei dem er stürzte und sich tödlich verletzte.

Der Herr steh mir bei! Ich war Schuld am Tod dieses Menschen!


Unfähig mich zu bewegen kniete ich noch immer neben dem Mann, dessen Ableben ich zu verschulden hatte, als ich ein sanftes Sirren vernahm. Ich Blickte auf und traute meinen Augen nicht.

Dort vor mir schwebte ein seltsames Ding auf mich zu.

Es mag die Größe einer Reisetasche gehabt haben, war oben abgerundet wie ein Pilz und hatte unten einen kleinen Kasten mit einem roten Kreuz darauf.

Das Schwebende Ding hielt genau auf mich zu, stoppte wie von Geisterhand über dem Toten vor mir und ein bläuliches Licht aus der Unterseite wanderte als dünner Strahl vom Kopf bis zu den Füßen über den am Boden liegenden.

Noch während dies geschah hörte ich den Mann vor mir leise stöhnen und dann hob er sein Haupt um mich anzusehen.

Ein kurzes Piepen war zu hören, dann erlosch das Licht und das fliegende Etwas schwebte ein Stück zurück.

Nun erkannte ich am metallischen Glanz des Dings, das es sich wohl um eine Art Maschine handeln musste – eine Maschine die das Leben zurück bringen konnte!


„Joh, Alda! Wo bist du denn hergerauscht? Ich hät bald mein neues Bike gecrasht, nur weil du hier mit dem Suppenteller da den Auftauchinator miemst! Die Omme hab ick ma och noch verbeult, aber die Bill für den Medibot blechst du, Meista, da kannste en druff lassen. Watt issn dit überhaupt fürn Ding, mit dem de hier die Jegend unsicher machst?“


Die Worte des Mannes klangen zum Teil vertraut und doch so fremd wie die Worte einer anderen Sprache. Aber was auch immer er mir sagen wollte war nebensächlich in diesem Moment und jeder Ton der er von sich gab, klang in meinen Ohren wie die schönste Musik.

Er lebte! Ich war reingewaschen von meiner Schuld und hatte zudem gefunden wonach ich suchte!

Dieses mechanische, fliegende Ding, was dort noch immer unbewegt in der Luft schwebte hatte ein Wunder vollbracht und einen Toten ins Leben zurück geholt.

Sicher vermochte es auch meinen Oheim zu retten, wenn ich es nur zu ihm bringen konnte.

Zwei kurze, jaulende Töne erklangen über meinem Kopf und als ich hoch sah schwebte dort ein seltsames Gerät mit einer gläsernen Kanzel, in der ich einen Mann saß und mich ansah.

„Hier is die Cityguad. Bleiben se am Unfallort, wir scannen ma ihre DNA-ID“, hörte ich ungewöhnlich laut aus der Richtung des blauen Fliegers.

In dieser Zeit war die Fortbewegung durch die Lüfte scheinbar zum Regelfall geworden.

„Sie da mit dem hohen Hut. Keene Bewejung! Ihre ID is nich auszumachen. Bleiben se dort stehen!“

Noch ehe die Worte verklungen waren machte das blaue Fluggerät eine scharfe Wendung auf der Stelle und schwebte zu Boden, während kleine Metallgestelle aus seiner Unterseite ausfuhren.

Mich durchfuhr plötzlich die böse Vorahnung, das sich hier Schwierigkeiten anzubahnen drohten, für die ich keine Lösung parat hatte...



„Alta Falta, ditt is nich mein Tach“, hörte ich den Auferstandenen neben mir sagen.

„Erst tauchst du hier mit na Satschüssel wie ausm Nichts uff, dann hau ich ma die Birne breit und nun kommt ma och noch die Patrol vorn Bug, und ditt wo ick nur mal kurz hier ina Fußjängerzone ditt neue Bike antesten wollte. Diesma bin ick die Pappe los, da kennen die ken Spaß die Vöjel. Mach jetzt blos keenen Fehler. Ick kenn die Kumples, die brezeln dir erst ne Schockwelle über und frajen dann watt du für ena bist.“

Zwar verstand ich den guten Mann noch immer nur in Bruchstücken, doch es klang alles nicht sehr beruhigend.

Offenbar war dies in dieser Zeit etwas wie ein Schutzmann und schon zu meiner Zeit sollte man bei diesen immer eine gute Antwort auf eventuelle Fragen haben.

Was nun auch immer kommen sollte, ich wollte kein Risiko eingehen und mich vielleicht gar verhaften lassen, jetzt, wo das Ziel meiner Suche so nah war.

So nahm ich meinen Mut zusammen ehe das fliegende Gefährt des Schutzmannes gelandet war und sprintete nach vorn auf die Lebensrettermaschine zu.


Mit einem beherzten Griff packte ich das Maschinchen an einigen rohrartigen Gebilden an dessen Seite und stürmte damit zurück zu meiner Zeitmaschine.

Das gerät in meinen Händen war federleicht und wenn ich kurz befürchtet hatte, es würde vielleicht versuchen fortzufliegen wenn ich es griff, so war dies zum Glück nicht der Fall und ohne den geringsten Widerstand konnte ich es mit mir bewegen.

Hinter mir vernahm ich ein kurzes Zischen und hörte wieder die überlaute Stimme: „Halt, oda ick Schieße!“.

Mit einem gekonnten Sprung war ich in meiner Maschine und hatte die Hand bereits am Hebel, als ein blendend helles Licht mich traf und meinen kupferbedampften Mantel zum aufleuchten brachte.

Wie zur Salzsäule erstarrt verkrampften sich alle meine Muskeln und nur der Schwung meines Sprunges trug mich voran um den Hebel nach unten zu reißen.

Ich war unfähig mich zu bewegen, konnte nur mühsam atmen und musste mit Schrecken feststellen, das dies helle Leuchten, das mich getroffen hatte, auch auf die Zeitmaschine übergesprungen war und diese nun wie von Elmsfeuer erleuchtet glühte.


Der Schirm hinter mir surrte nicht sanft wie ich es bereits kannte, er heulte regelrecht auch und das Licht der Lämpchen vor mir war fast unerträglich hell.

Noch immer versuchte ich mich zu bewegen, wieder normal zu atmen, aber als wäre mein Körper nicht mehr meinem Geist untergeordnet reagierte er auf keinen meiner Versuche.

Schon dachte ich nun sterben zu müssen, als ich das sanfte, blaue Licht wahrnahm, das die kleine Maschine in meinen Händen über meinen Körper gleiten ließ und kaum zwei Sekunden später fühlte ich mich so gesund und kräftig wie nie zuvor in meinem Leben.

Erfreut sah ich die Lebensrettermaschine an. Sie funktionierte als auch, wenn sie nicht in ihrer gewohnten Umgebung war.

Wieder Herr meines Körpers versuchte ich die Anzeigen der Maschine abzulesen, doch viel zu schnell rasten sie vorbei, als das ich auch nur irgendetwas erkennen konnte.

Etwas stimmte nicht.

So rasch hatte sich die Maschine noch nie durch die Zeit bewegt und hatte dabei solch eigenartige Geräusche gemacht.


Die Welt um mich zog zu rasch vorbei, als das ich wirklich etwas erkennen konnte, doch sah ich Licht um mich herum, was darauf hindeutete, das ich schon weit an dem furchtbaren Krieg vorbei war und das düstere Schuttgefängnis mich nicht umhüllte.

So wagte ich es und Griff beherzt nach dem Hebel um zu stoppen, doch bewegte sich dieser kaum von der Stelle. Erst als ich die Lebensrettermaschine in meinen Schoß legte und mit beiden Händen und aller Kraft den Hebel nach oben drückte, bewegte er sich widerwillig und endlich konnte ich die Maschine zum Stillstand bringen.


Ich stand auf einer grünen Wiese oder einer Art Acker als die Maschine zum Stehen kam und verwirrt blickte ich auf die Anzeigen.

Der 5 Juni 1198? Konnte dies stimmen?

Wenn ja, dann war ich in wenigen Augenblicken über 1000 Jahre von meinem letzten Startpunkt aus in die Vergangenheit gerast und befand mich nun im tiefsten Mittelalter.

Irgendetwas musst dieser fliegende Schutzmann auf mich geschossen haben, das mich lähmte und die Zeitmaschine um etliches beschleunigt hatte.

Was war, wenn die Maschine dabei kaputtgegangen war und ich nie mehr von hier fort kam?


Noch ehe ich diesen erschreckenden Gedanken richtig fassen konnte, erhob sich das Lebensrettungsmaschinchen von meinem Schoß und schwebte langsam davon.

Ohne zu zögern sprang ich aus der Zeitmaschine und lief ihr durch das hohe Gras nach.

Doch schon nach wenigen Metern stoppte es, richtete seinen blauen Lichtstrahl in das Gras vor mir und nur einen Wimpernschlag später sprang ein junges Reh von dort auf und rannte davon.

Dies Wunderding war offenbar geschaffen worden, um jedes Leben zu retten.




„Benedicat me! Diabolus enim est de!“ hörte ich eine erschrockene Stimme, die von einem Baum in der Nähe erklang.

Mein Latein war sicher nie das Beste, aber ich meinte zu verstehen, das die Gestalt dort im Schatten mich wohl für den leibhaftigen Teufel hielt.

Mühselig suchte ich mein Schullatein zusammen und versuchte es mit: „Ego sum non a diabolo. Ego iter tempus“, was, so hoffte ich sagen sollte, ich war kein Wesen der Hölle sondern ein Reisender durch die Zeit.

Was die Gestalt im Schatten auch verstanden hatte, es beruhigte sie auf keinen Fall.

Sie rannte auf mich zu, warf dabei den Bogen in ihren Händen fort und riss ein Schwert aus der Scheide an seiner Seite.

Dort stürmte ein ausgewachsener Kreuzritter auf mich zu und schien von dem Gedanken beseelt zu sein, den Teufel selbst mit seinem Schwert in Stücke zu hacken.

Mein Latein war definitiv nicht gut genug um einen wütenden Rittersmann, dem ich zudem mit meinem Lebensrettermaschinchen eben wohl das Abendessen verdorben hatte, zu erklären, wie die Situation nun wirklich war.

So machte ich einen Schritt nach vorn, griff mir die schwebende Maschine und wollte zurück zur Zeitmaschine, doch der Kreuzritter war trotz des schweren Kettenhemdes flink und stellte sich mir in den Weg.

Schon holte er zum schlag aus, als mir als letzte Tat der Verzweiflung einfiel, ihm meinen mit Ketten bestückten Zylinderhut entgegenzuwerfen.

Mit einem leisen Aufschrei machte er einen Satz zurück und schlug den Hut noch in der Luft in zwei Teile.

Dies war genau die Sekunde die ich brauchte um an ihm vorbei zu laufen und mit einem Satz wieder zurück in die Zeitmaschine zu hechten.


Gern hätte ich noch ein Stoßgebet zum Herren gesandt, damit die Maschine auch wirklich noch funktionierte, doch da mich der Kreuzritter schon fast eingeholt hatte, drückte ich nur mit einem lauten „Bitte“ den Hebel nach vorn.

Das letzte was ich sah, war der Ritter mit erhobenem Schwert direkt neben der Maschine, dann war die Zeitmaschine wieder im Fluss der Zeit eingetaucht und bewegte sich in die Zukunft.

***

Die Maschine bewegte sich wieder gewohnt ruhig durch den Fluss der Zeit, was mir aber einiges an Geduld und Selbstbeherrschung abverlangte.

1000 Jahre waren lang und ermüdend, auch wenn es interessant war den Wandel der Zeiten zu beobachten. Das kleine Dorf, das ich bei meinem letzten Stopp in der Ferne entdecken konnte, veränderte sich immer wieder, wurde ausgebaut, verschwand mal fast völlig und entstand neu an gleicher Stelle und wuchs mit der Zeit zu einer kleinen Stadt heran.

Auch wenn ich zu gern gewusst hätte was sich dort genau abspielte, so wagte ich es nicht die Maschine erneut anzuhalten. Zu groß waren die Gefahren die dort auf mich lauern konnten.

So kämpfte ich Erschöpfung und Müdigkeit zurück, denn trotz der langen Reise musste ich ganz genau am Abend des 31 Dezembers 1899 landen.

Früher, so hatte ich mir überlegt, war gefährlich, denn ich hätte mir selbst begegnen können und so die ganze Geschichte verändert die mich zur Lebensrettungsmaschine geführt hatte.

Viel später wollte ich jedoch auch nicht anlangen, denn wer wusste schon ob die Maschine dann noch meinen Oheim zu retten vermochte.


Jahr um Jahr näherte ich mich meiner eigentlichen Zeit und endlich, als ich in den Jahren ab 1890 angelangt war, verlangsamte ich die Zeitmaschine immer mehr um den Moment des Idealen eintauchens nicht zu verpassen.

Tatsächlich gelang es mir so langsam zu werden, das ich anhand des mich umgebenden Lichts den Abend abschätzen konnte und letztlich anhielt.


Kaum angekommen erwachte das Lebensrettungsmaschinchen in meinem Schoß wieder zum Leben, schwebte auf und direkt auf die offene Tür zur Diele zu, wo mein toter Oheim lag.

Hastig kletterte ich aus der Zeitmaschine und folgte dem Gerät und kaum das ich die Diele betrat, war mein Onkel auch schon vom blauen Licht des Lebensretters erfasst.

Bang beobachtete ich das geschehen und schickte ein kleines Stoßgebet zum Himmel.

Das Licht erlosch, das Maschinchen schwebte unbeweglich über meinen Ohm und einen Augenblick konnte man die Stille fast spüren.

Dann geschah das erhoffte Wunder und mein Oheim regte sich am Boden.


Voll innerlichem Jubel kniete ich neben ihm nieder und fühlte wie Tränen der Freude in mir aufstiegen, als er die Augen öffnete.

Herzlich umarmte ich meinen alten Ohm und half ihm, der im ersten Moment mehr als verwirrt schien, wieder auf die Beine.


Oh was war dies für ein Abend in diesen letzten Stunden das alten Jahrhunderts!

Viel musste ich erklären und letztlich saßen mein Ohm und ich die halbe Nacht am Kamin bei einem guten Portwein und ich musste ihm jede noch so winzige Kleinigkeit meiner abenteuerlichen Reise erzählen.

Immer wieder unterbrach er mich, fragte hier etwas nach, wollte dort genaueres wissen und schien immer nachdenklicher zu werden, doch schließlich hatte ich alles berichtet was es zu berichten gab und mag es die Erschöpfung gewesen sein oder der gute Port, letztlich war ich kaum in der Lage meine Augen weiter offen zu halten und mein Oheim lud mich ein, diese Nacht in seinem Gästezimmer zu verbringen.


Erst gegen Mittag des nächsten Tages erwachte ich und als erstes fiel mein Blick auf einen Brief mit meinem Namen, der neben meinem Bett auf dem Nachttisch an die dortige Lampe gelehnt war.


Die Schrift meines Oheims erkannte ich sogleich und hastig und getrieben von Neugierde öffnete ich und las:



Erschrocken sprang ich aus dem Bett und durchsuchte das ganze Haus, doch mein Ohm war zusammen mit den Maschinen verschwunden.



Nie wieder hörte ich auch nur ein Wort vom verbleib meines geliebten Oheims.

Vielleicht hatte er Recht mit seinen Befürchtungen und was er Tat war das einzig Richtige, doch selbst Heute, ein Jahr nach diesen Geschehnissen und der Auszahlung seiner Hinterlassenschaft, vermisse ich ihn jeden Tag und oft frage ich mich, ob die Zeitmaschine tatsächlich bis zum Anfang aller Tage zurückgeflogen ist, oder ob sie nicht doch noch irgendwo verborgen liegt und ihrer Entdeckung harrt.



Ende
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